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Detailview for term

name of the term: Präbiotika

Kurze Einführung

  • Fermentierbare Ballaststoffe bieten zahlreiche Gesundheitsvorteile, da sie die Zusammensetzung der Darmflora (Darmbakterien) verändern.
  • Präbiotika oder präbiotische Ballaststoffe sind generell Oligosaccharide, also unverdauliche (aber lösliche, natürliche und fermentierbare) Ballaststoffe, die das Wachstum und die Funktion der nützlichen Bakterien (Bifidobakterien und Milchsäurebakterien) begünstigen.
  • Ein vermehrtes Wachstum von Bifidobakterien und Milchsäurebakterien gilt als förderlich für die Gesundheit.
  • Es werden häufiger Veränderungen von Bifidobakterien als von Milchsäurebakterien festgestellt, da der menschliche Darm mehr von Bifidobakterien als von Milchsäurebakterien besiedelt ist, die eine Vorliebe für Oligosaccharide haben.
  • Nährwert von Ballaststoffen (z. B. fermentierbare Fasern wie GOS und FOS): 2 kcal (8 kJ) pro Gramm (EG-Richtlinie 2008/100/EG).
  • Muttermilch enthält verschiedene lösliche Oligosaccharide (Humanmilch-Oligosaccharide HMO). Kolostrum (Erstmilch enthält etwa 20–25 g/L HMO). Wenn die Milchproduktion reift, sinken die HMO-Konzentrationen auf 5–20 g/L.
  • Muttermilch enthält mehrere wasserlösliche Oligosaccharide (humane Milch-Oligosaccharide – HMO). Die Konzentration liegt bei 1,2–1,4 g pro 100 ml.
  • Präbiotische Oligosaccharide wie GOS und FOS werden häufig der Baby- und Kleinkindernahrung zugesetzt.
    • GOS: Galakto-Oligosaccharide – mithilfe von Enzymen aus Laktose hergestellt. Chemische Struktur: kurzkettige Galaktoseverbindungen mit Glukose am Ende.
    • FOS: Frukto-Oligosaccharide, z. B. Inulin, sind pflanzlichen Ursprungs und werden aus Chicoréewurzeln gewonnen. Chemische Struktur: Kette von Fruktosemolekülen mit einem Glukosemolekül am Ende.

Vorwiegende Quellen in der Nahrung

  • Fermentierbare Ballaststoffe: Hafer, Gerste, Obst (z. B. Bananen) und Gemüse (Porree, Spargel, Chicorée, Knoblauch, Zwiebeln) und Sojabohnen.

Hauptfunktion

 

Wirkungsmechanismus

  • GOS und/oder FOS widerstehen der Hydrolyse (dem Abbau) durch Enzyme im Magen-Darm-Trakt und der Absorption. Die Oligosaccharide werden in den Dickdarm befördert.
  • Im Dickdarm werden GOS und FOS von Bifidobakterien und Milchsäurebakterien, den sogenannten nützlichen Bakterien, mittels Fermentierung abgebaut. Diese Bakterien benötigen GOS und FOS für ihr eigenes Wachstum.
  • Während dieses Fermentierungsvorgangs werden kurzkettige Fettsäuren (SCFAs) gebildet.
    • Diese SCFAs senken den pH-Wert im Dickdarm (das Milieu wird saurer), wodurch das Wachstum und das Überleben von Pathogenen (schädlichen Eindringlingen) verhindert und das Wachstum der nützlichen Bakterien (Bifidobakterien und Milchsäurebakterien) folglich begünstigt wird.
    • SCFAs: Acetat, Propionat, Butyrat – jeweils mit ihrer eigenen Auswirkung. Butyrat wirkt sich vorteilhaft auf die Gesundheit des Dickdarms aus und ist eine Energiequelle für die Epithelzellen (Zellschichten an der Dickdarmwand) des Dickdarms. Butyrat macht die Darmwand mittels einer erhöhten Ausscheidung von Schleim schlechter durchlässig und stärkt damit seine Präventivwirkung gegen Krankheiten. Darüber hinaus fördert Butyrat die normale Differenzierung (Spezialisierung) und Proliferation (Vermehrung) der Zellen.
    • Laktate und Acetate aus bakterieller Produktion bilden eine chemische Barriere gegen potenzielle Krankheitserreger.
    • SCFAs unterstützen die Regulierung der Natrium- und Wasserabsorption und können die Absorption von Kalzium und anderen Mineralstoffen erhöhen.
  • Die Förderung des Wachstums von Bifido- und Milchsäurebakterien verhindert, dass sich Pathogene (schädliche Keime) an der Darmschleimhaut festsetzen. Je mehr Raum und Nährstoffe von nützlichen Bakterien eingenommen werden, desto weniger Raum und Nährstoffe bleiben für schädliche Bakterien übrig.
  • Durch vermehrtes Wachstum der nützlichen Bakterien erhöht sich das Volumen (Biomasse) der Bakterien. Dadurch wird der Stuhl schwerer und weicher (und dies fördert die Entleerung). Präbiotika erhöhen die Bakterienmasse und das osmotische Wasserbindungsvermögen im Darmlumen. Diese Effekte erhöhen das Stuhlgewicht sowie die Stuhlfrequenz und machen den Stuhl weicher, was indirekt zur Verkürzung der Durchlaufzeit beiträgt.

Zahlreiche Studien belegen, dass Präbiotika durch das Wachstum nützlicher Bakterien und die SCFA-Produktion zu mehr Abwehrkräften gegen Infektionen beitragen und die Darmimmunität positiv beeinflussen. 

  • Senkung der Auftretenshäufigkeit und Dauer von Durchfall (ausgelöst durch Infektionen und Antibiotika).
  • Reduzierung von Entzündungen und Symptomen im Zusammenhang mit entzündlichen Darmerkrankungen.
  • Schutzwirkung gegen Darmkrebs.
  • Verbesserung der Wirkung von Mineralstoffen, wie Kalzium, Magnesium und möglicherweise auch von Eisen.
  • Senkung der Risikofaktoren für Herz- und Gefässerkrankungen.
  • Präbiotika fördern das Sättigungsgefühl, erleichtern Gewichtsverlust und bieten Schutz vor Fettleibigkeit.
  • Schutzwirkung gegen allergische Reaktionen.
  • Fördern einen grösseren Stuhl und die Darmfunktion.


Mehrere Studien zeigen positive Auswirkungen von Präbiotika auf die Gesundheit von Säuglingen und Kindern.

  • Stimulierung des Wachstums und/oder der Aktivität von nützlichen Bakterien.
  • Erhöhte Produktion von SCFA, Hemmung des Wachstums und/oder der Aktivität von pathogenen Bakterien.
  • Präbiotika tragen zu einer erhöhten Resistenz gegen Infektionen bei.
  • Verbesserte Stuhleigenschaften.
  • Verbesserte Absorption bestimmter Mineralien, z. B. Eisen und Kalzium.

Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass fermentierbare Nahrungsfasern (Präbiotika) verschiedene Eigenschaften des Immunsystems modulieren können (durch Stimulierung des Wachstums der nützlichen Bakterien Bifidobakterien und Laktobazillen bzw. Milchsäurebakterien). Weitere Studien sind erforderlich, um die verschiedenen Mechanismen zu verstehen.

Synonyms: präbiotische Ballaststoffe

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