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Name des Begriffes: Polysaccharide

Kurze Einführung

  • Der Begriff Kohlenhydrate oder Saccharide stammt vom griechischen Wort sákkharon (Zucker)
  • Saccharide werden in folgende vier Gruppen eingeteilt: Monosaccharide, Disaccharide, Oligosaccharide und Polysaccharide.
  • Polysaccharide sind lange Ketten aus über 10, manchmal aus bis zu mehreren Tausend Monosacchariden.
  • Beispiele: Stärke: das wichtigste Reserve-Kohlenhydrat in Gemüse und Getreide.
  • Beispiele für Nicht-Stärke-Polysaccharide (Hauptbestandteile von Ballaststoffen in der Nahrung):
    • Zellulose: Hauptbestandteil der pflanzlichen Zellwände.
    • Pektin: wird als Verdickungs- und Bindemittel für Fruchtgelees verwendet.
    • Gummis: beispielsweise Galactomannane, beispielsweise Johannisbrotkernmehl, besteht aus langen Galactose- und (mit der Glucose verwandten) Mannoseketten und wird als Verdickungsmittel verwendet.
  • Glykogen: die wichtigste Speicherform von Glucose im Körper (Leber und Muskeln).

Vorwiegende Quellen in der Nahrung

  • Stärke: Mais, Kartoffeln, Reis, Brot, Getreide, Nudeln.
  • Cellulose: Viele Früchte und Gemüse enthalten eine Komponente von Cellulose (beispielsweise Äpfel- und Birnenhäute). Ebenfalls findet man Cellulose in der Hülse von Körnern (Weizenkleie) und in Pflanzenblättern (Spinat) sowie in Samen und Nüssen.
  • Pektin: Hafer, getrocknete Bohnen, Nüsse, Gerste, Leinsamen, Orangen, Äpfel, Karotten.
  • Gummis: Johannisbrotkernmehl ist ein natürlicher Bestandteil, das durch Zerkleinern der Samenkerne gewonnen wird. Die Samenkerne sind in den langen lederartigen Hülsen des Johannisbrotbaums eingebettet. Guarkernmehl wird aus Guarbohnen gewonnen.

Hauptfunktion

Die Funktionen von Polysacchariden hängen in erster Linie von ihrer Zusammensetzung ab.

  • Energiequelle: 1 g Kohlenhydrate liefert 4 kcal (17 kJ).
    • Nach der Verdauung werden die in kleine Einheiten (Glucose, Fructose, Galactose) aufgespaltenen Kohlenhydrate im Dünndarm absorbiert und gelangen in die Blutbahn, wo sie zur Leber transportiert werden. Fructose und Galactose werden dort in Glucose umgewandelt. Glucose wird vom Blut zum Gewebe und zu den Organen befördert und dient als Brennstoff.
    • Vor allem das Gehirngewebe und die roten Blutkörperchen nutzen Glucose als Energiequelle. Ein Glucosemangel kann in Schwächegefühl, Benommenheit und einem niedrigen Blutzuckerspiegel (Hypoglycaemie) resultieren. Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel während körperlicher Anstrengung mindert die Leistungsfähigkeit und kann zu geistiger und körperlicher Erschöpfung führen.
    • Glucose, die der Körper nicht gleich als Brennstoff benötigt, wird (als Glykogen) in der Leber und in der Skelettmuskulatur gespeichert. Sind die Glykogenspeicher voll, erfolgt die Speicherung der Glucose als Fett. Wenn der Körper mehr Glucose benötigt als im Blut frei verfügbar ist (beispielsweise beim Sport), greift er auf die Glykogenspeicher zurück. 
  • Die Kohlenhydrate verhindern, dass Eiweiss als Energiequelle verwendet wird. Eine zu geringe Aufnahme an Kohlenhydraten führt zu einem Abbau von Eiweiss, das zur Herstellung von Glucose und zur Erhaltung eines konstanten Blutzuckerspiegels benötigt wird.
  • Ballaststoffe spielen bei der gesunden Verdauung eine wichtige Rolle, denn sie fördern die gesunde Darmfunktion.
    • Sie sind für die allgemeine Gesundheit des Menschen wichtig. Ein hoher Anteil an Ballaststoffen wird mit einem geringeren Risiko von zahlreichen chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Siehe Ballaststoffe.
    • Epidemiologische Indizien deuten darauf hin, dass eine erhöhte Aufnahme von Ballaststoffen vor möglicher Bildung von Fettleibigkeit schützt und der Faserverbrauch umgekehrt mit dem Körpergewicht und Körperfett korreliert. Ballaststoffreiche Lebensmittel müssen länger gekaut werden und besitzen im Allgemeinen ein hohes Volumen bei einer niedrigen Energiedichte, was das Sättigungsgefühl fördert. Ballaststoffe verzögern die Magenentleerung und Nährstoffabsorption, was das Sättigungsgefühl verlängert. Ebenso zeigen die meisten Studien, welche die kontrollierte Energieaufnahme thematisieren, dass Ballaststoffe das Sättigungsgefühl erhöhen und das Hungergefühl nach einer Mahlzeit verringern.

Mangelerkrankungen

  • Bei einer zu geringen Kohlenhydrataufnahme erschöpfen sich die Glucose- und Glykogen-Vorräte im Blut (Glucose-Reservespeicher in der Leber und in den Muskeln). Die Glucosesynthese erfolgt durch Abbau von Aminosäuren aus Körpereiweiss, Eiweiss aus der Nahrung und der Verbindung Glycerol (aus Fett). Ein langfristiger Kohlenhydratmangel führt zur Ketose (ein hoher Ketonspiegel verursacht Dehydrierung und eine Veränderung im chemischen Bluthaushalt), zur Azidose (Übersäuerung des Blutes und anderer Körpergewebe kann die Zellen beschädigen) und zum Verlust von Zelleiweiss. Ein vermehrter Eiweissabbau kann zu einer Überlastung der Nieren führen, da die Abbauprodukte von Eiweiss in den Nieren aus dem Blut herausgefiltert und dann über den Urin ausgeschieden werden.
  • Anzeichen und Symptome (Beispiele):
    • Hypoglykämie: Abfall des Blutzuckerspiegels (Benommenheit, Müdigkeit, Bewusstseinsstörungen).
    • Müdigkeit und niedriger Energiespiegel: Ein für die Energieproduktion zu niedriger Glucosegehalt im Blut führt zu Energiemangel und Müdigkeit.
    • Muskelschwund: Der Abbau der Fettreserven und Aminosäuren zur Energiegewinnung führt zu Muskelschwund und Wachstumsstörungen.
    • Gewichtsverlust: Der Verlust von Fett- und Muskelmasse führt zu Gewichtsverlust.
    • Dehydrierung und verminderte Körperausscheidungen: Ketose führt zu einem Verlust der Körperflüssigkeit (trockene Augen, verminderte Speichelproduktion in den Speicheldrüsen sowie Austrocknung der Atemwege und des Magen-Darm-Trakts).
    • Schwächung des Immunsystems und Infektionsanfälligkeit
    • Verstopfung und Stimmungsschwankungen: Das Gehirn kann die Ausschüttung des Hormons Serotonin einstellen, was Stimmungsschwankungen und Depressionen zur Folge hat. 
  • Eine ballaststoffarme Ernährung kann den Gesundheitszustand negativ beeinflussen sowie die Entstehung von Krankheiten begünstigen: die Neigung zu Verstopfung (weniger als drei Stuhlgänge pro Woche, trockener, harter Stuhl), Risiko von Diabetes, Herzerkrankungen, Gewichtszunahme.

Im Gegensatz zu den Kohlenhydraten wurden für Polysaccharide keine Richtlinien für die Nährstoffzufuhr (Dietary Reference Intakes, DRIs) festgelegt. 


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