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Name des Begriffes: Oligosaccharide

Kurze Einführung

  • Der Begriff Kohlenhydrate oder Saccharide stammt vom griechischen Wort sákkharon (Zucker)
  • Saccharide werden in folgende vier Gruppen eingeteilt: Monosaccharide, Disaccharide, Oligosaccharide und Polysaccharide.
  • Oligosaccharide bestehen aus 3–10 miteinander verbundenen Monosacchariden, die von spezifischen Enzymen aufgespalten werden können.
    • Galacto-Oligosaccharide (GOS) bestehen aus kurzen Ketten von Galactose-Molekülen.
    • Fructo-Oligosaccharide (FOS bestehen aus kurzkettigen Fructose-Molekülen.
    • Muttermilch enthält Oligosaccharide (humane Milch-Oligosaccharide – HMOS).
  • Diese Oligosaccharid-Gruppen werden auch Präbiotika oder präbiotische Ballastoffe genannt.
  • Präbiotika oder präbiotische Ballaststoffe sind generell Oligosaccharide, also unverdauliche (aber fermentierbare) Ballaststoffe, die das Wachstum und die Funktion der nützlichen Bakterien (Bifidobakterien und Milchsäurebakterien) begünstigen.
  • Andere Beispiele für «funktionelle» Oliogosaccharide: Isomalto-Oligosaccharide (IMO), Sojabohnenmehl-Oligosaccharide (SMO), Gluco-Oligosaccharide, Mannan-Oligosaccharide (MOS), Gentiooligosaccharide, Isomaltulose, Lactosucrose, Maltooligosaccharide (MO), Xylooligosaccharide (XOS), Pektin-abgeleitete saure Oligosaccharide (pAOS), Cyclodextrine, Algen-Oligosaccharide (AOL).

Vorwiegende Quellen in der Nahrung

  • Funktionelle Oligosaccharide finden sich in variierender Konzentration in Milch, Honig, Zuckerrohrsaft, Sojabohnen, Linsen, Senf, Früchten und Gemüse wie Zwiebel, Spargel, Zuckerrüben, Artischocken, Chicorée, Lauch, Knoblauch, Bananen, Roggen, Gerste, Inkagemüse, Weizen, Tomaten und Bambussprossen.
  • GOS: Linsen, Kichererbsen/Humus, Erbsen, Limabohnen, Kidneybohnen, Sojabohnen, Bohnen und Gemüse, wie z. B.  Zwiebelgrün, Hirse und Pistazien. GOS kann industriell aus Lactose hergestellt werden.
  • FOS: Zwiebel, Chicorée, Knoblauch, Spargel, Banane, Topinambur, Lauch, Getreide wie Weizen und Gerste. Kann aus Chicorée (Inulin) industriell hergestellt werden.

Hauptfunktion

Wirkungsmechanismus von GOS und FOS

  • GOS und/oder FOS widerstehen der Hydrolyse (dem Abbau) durch Enzyme im Magen-Darm-Trakt und der Absorption. Die Oligosaccharide werden in den Dickdarm befördert.
  • Im Dickdarm werden GOS und FOS von Bifidobakterien und Milchsäurebakterien, den sogenannten nützlichen Bakterien, mittels Fermentierung abgebaut. Diese Bakterien benötigen GOS und FOS für ihr eigenes Wachstum.
  • Während dieses Fermentierungsvorgangs werden kurzkettige Fettsäuren (SCFAs) gebildet.
    • Diese SCFAs senken den pH-Wert im Dickdarm (das Milieu wird saurer), wodurch das Wachstum und das Überleben von Pathogenen (schädlichen Eindringlingen) verhindert und das Wachstum der nützlichen Bakterien (Bifidobakterien und Milchsäurebakterien) begünstigt wird.
    • SCFAs: Acetat, Propionat, Butyrat – jeweils mit ihrer eigenen Auswirkung. Butyrat wirkt sich vorteilhaft auf die Gesundheit des Dickdarms aus und ist eine Energiequelle für die Epithelzellen (Zellschichten an der Dickdarmwand) des Dickdarms. Butyrat macht die Darmwand mittels einer erhöhten Ausscheidung von Schleim schlechter durchlässig und stärkt damit seine Präventivwirkung gegen Krankheiten. Darüber hinaus fördert Butyrat die normale Differenzierung (Spezialisierung) und Proliferation (Vermehrung) der Zellen.
    • SCFAs unterstützen die Regulierung der Natrium- und Wasserabsorption und können die Absorption von Kalzium und anderen Mineralstoffen erhöhen.
  • Die Förderung des Wachstums von Bifido- und Milchsäurebakterien verhindert, dass sich Pathogene (schädliche Keime) an der Darmschleimhaut festsetzen. Je mehr Raum und Nährstoffe von nützlichen Bakterien eingenommen werden, desto weniger Raum und Nährstoffe bleiben für schädliche Bakterien übrig.
  • Durch vermehrtes Wachstum der nützlichen Bakterien erhöht sich das Volumen (Biomasse) der Bakterien. Dadurch wird der Stuhl schwerer und weicher (und dies fördert die Entleerung).


Zahlreiche Studien belegen, dass Präbiotika durch das Wachstum nützlicher Bakterien und die SCFA-Produktion zu mehr Abwehrkräften gegen Infektionen beitragen und die Darmimmunität positiv beeinflussen.

  • Senkung der Auftretenshäufigkeit und Dauer von Durchfall (ausgelöst durch Infektionen und Antibiotika).
  • Reduzierung von Entzündungen und Symptomen im Zusammenhang mit entzündlichen Darmerkrankungen.
  • Schutzwirkung gegen Darmkrebs.
  • Verbesserung der Wirkung von Mineralstoffen, wie Kalzium, Magnesium und möglicherweise auch von Eisen.
  • Senkung der Risikofaktoren für Herz- und Gefässerkrankungen.
  • Präbiotika fördern das Sättigungsgefühl, erleichtern Gewichtsverlust und bieten Schutz vor Fettleibigkeit.
  • Schutzwirkung gegen allergische Reaktionen.
  • Fördern einen grösseren Stuhl und die Darmfunktion.


Studien an Säuglingen/Kleinkindern

  • Präbiotika verbessern die Abwehrkräfte gegen Infektionen und wirken sich positiv auf das Immunsystem des Säuglings bzw. Kleinkinds aus.
  • Weitere Vorteile sind die höhere Produktion von SCFAs, die Förderung des Wachstums und/oder der Aktivität von nützlichen Bakterien, die Hemmung des Wachstums und/oder der Aktivität pathogener Bakterien, verbesserte Stuhleigenschaften und eine verbesserte Absorption bestimmter Mineralstoffe.
  • Die geringere Infektionshäufigkeit bei gestillten Säuglingen im Vergleich zu Säuglingen, die Flaschennahrung ohne Präbiotika erhalten, hängt mit der höheren Konzentration von Bifido- und Milchsäurebakterien zusammen, die dafür bekannt sind, dass sie pathogenhemmende Eigenschaften besitzen.
  • Der Stuhl von Säuglingen, die mit Präbiotika angereicherte Flaschennahrung erhalten, weist eine ähnliche Eigenschaft auf wie der von gestillten Säuglingen.


Im Gegensatz zu den Kohlenhydraten wurden für Oligosaccharide keine Richtlinien für die Nährstoffzufuhr (Dietary Reference Intakes, DRIs) festgelegt.


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