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Name des Begriffes: Molkenprotein

Kurze Einführung

  • Milchprotein kann in zwei Hauptkategorien eingeteilt werden: Kasein und Molkenprotein.
  • Im Gegensatz zu Kasein ist Molkenprotein gut löslich.
  • Die Familie der Serumproteine (Molke) besteht aus etwa 50% ß-Lactoglobulin (beta-Lactoglobulin), 20% α-Lactalbumin (alpha-Lactalbumin), Blutserumalbumin, Immunglobulinen, Lactoferrin, Transferrin und vielen kleineren Proteinen und Enzymen.
  • Die wichtigsten Molkenproteine in der Muttermilch sind α-Lactalbumin und Lactoferrin. Das Hauptprotein in der Molke von Kuhmilch ist ß-Lactoglobulin.
  • Die Aminosäurezusammensetzung von Molkenprotein unterscheidet sich von derjenigen von Kasein.
  • Molkenprotein ist reich an den essentiellen Aminosäuren Leucin, Isoleucin, Lysin, Tryptophan und Threonin. Kasein ist reich an Histidin, Methionin, Valin und Phenylalanin.
  • In der Muttermilch dominiert die Molke, in Kuhmilch das Kasein. Das durchschnittliche Kasein-/Molkenprotein-Verhältnis in der Muttermilch ist 40/60, aber variiert während der gesamten Stillphase. In der Anfangsphase innerhalb der ersten Wochen ist das Verhältnis 20/80 und verschiebt sich in der späteren Stillphase gegen 50/50. Kuhmilch hingegen ist relativ statisch und hat ein Kasein-/Molkenprotein-Verhältnis von 80/20.
  • Des Weiteren unterscheiden sich Kasein und Molkenprotein im Verdauungsprozess und in der Absorption.
  • Im Vergleich mit Molkenprotein wird Kasein langsamer verdaut. In der Umgebung der Magensäure (Säuglinge haben einen niedrigen Magen-pH-Wert) beginnt das Kasein zu koagulieren (gerinnen). Die Enzyme müssen härter arbeiten, um das Kasein zu verdauen. Dadurch verzögert sich die Magenentleerung, der Eintritt von Kasein in den Dünndarm dauert länger. Molkenprotein ist ein lösliches Protein und koaguliert nicht unter sauren Bedingungen und wird somit schneller verdaut als Kasein.
  • Hingegen später im Dünndarm werden die Molkenproteine langsamer verdaut und somit besser absorbiert als Kasein.

Vorwiegende Quellen in der Nahrung

Molkenprotein findet man in Milchprotein:

  • Milch und Milchprodukte.
  • Säuglings-Anfangsnahrung (Stufe 1, 0–6 Monate): Kasein-/Molkenprotein-Verhältnis von 40/60, was der Muttermilch recht nahe kommt.
  • Folgenahrung (Stufe 2, ab 6 Monaten): Kasein-/Molkenprotein-Verhältnis 50/50, somit angepasst an die Verdauungskapazität des wachsenden Säuglings.
  • Für Kleinkinder (Stufe 3, > 1 Jahr) besteht ein 80/20-Verhältnis von Kasein-/Molkenprotein, was vergleichbar ist mit Kuhmilch.

Hauptfunktion

  • Molkenprotein bildet einen Teil des Milchproteins. Protein ist die wichtigste strukturelle und funktionelle Komponente aller Körperzellen und notwendig für deren Wachstum, Erhaltung und Erneuerung (Reparatur). Ebenfalls ist Protein ein Zwischenprodukt des Stoffwechsels.
  • Studien belegen die positive Wirkung einer molkenbasierten Anfangsnahrung für Säuglinge: Molkenprotein enthält Bestandteile (beispielsweise Immunglobuline, α-Lactalbumin, Lactoferrin), die immunverstärkende Eigenschaften aufweisen und die Aktivität spezifischer Immunzellen und des Abwehrsystems stimulieren.
  • Die Darmmikrobiota von gestillten Säuglingen unterscheidet sich von mit Babynahrung gefütterten Kindern: Die Mikrobiota von gestillten Säuglingen umfasst weniger potentiell pathogene Keime dafür mehr «gute» wie Laktobazillen und Bifidobakterien. Im Vergleich zu einer kaseinbasierten, fördert eine molkenbasierte Babynahrung die Stuhlzusammensetzung des Kindes insofern, dass sie sich jener von gestillten Babys annähert. Dies vermindert die Anfälligkeit für Infektionen und stärkt die Immunabwehr.

Mangelerkrankungen

  • Ist eine der essentiellen Aminosäuren nicht genügend vorhanden, behindert dies die Funktion der anderen Aminosäuren, die Proteinsynthese fällt geringer aus.
  • Ein Proteinmangel wirkt sich auf alle Organe und viele Körperfunktionen aus, einschliesslich des Gehirns und der Gehirnfunktionen von Babys und Kleinkindern. Weitere Nebenwirkungen sind ein geschwächtes Immunsystem mit erhöhtem Infektionsrisiko, eine verminderte Darmschleimhautfunktion sowie erhöhte Darmdurchlässigkeit; die Anfälligkeit für systemische Erkrankungen sowie eine verminderte Nierenfunktion.
  • Die physischen Anzeichen von Proteinmangel sind Wassereinlagerungen, Wachstumsstörungen bei Säuglingen und Kindern, Verlust der Muskelmasse, fahle Haut und Veränderungen von Farbe und Struktur der Haare.
  • Gefährdet: schwangere Frauen (Gefahr von Babys mit zu niedrigem Geburtsgewicht), Kinder (Wachstumsstörungen), Vegetarier und Veganer (die pflanzliche Ernährung deckt nicht immer den Bedarf an den neun essentiellen Aminosäuren). Im Gegensatz zu Protein wurden spezifisch für Molkenproteine keine Richtlinien für die Nährstoffzufuhr (Dietary Reference Intakes, DRIs) festgelegt.

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