Detailansicht für den Begriff

Name des Begriffes: Milcheiweiss

Kurze Einführung

  • Milcheiweiss wird in zwei Hauptkategorien eingeteilt, und zwar in Kasein und Molkenprotein.
  • Die Zusammensetzung der Aminosäuren von Molkenprotein und Kasein ist unterschiedlich.
  • Molkenprotein ist reich an den essentiellen Aminosäuren Leucin, Isoleucin, Lysin, Tryptophan und Threonin. Kasein enthält Histidin, Methionin, Valin und Phenylalanin.
  • Die Muttermilch enthält einen höheren Molke-Anteil, während die Kuhmilch im Verhältnis mehr Kasein enthält. Das durchschnittliche Kasein-Molke-Verhältnis der Muttermilch beträgt 40/60, ändert sich jedoch in den ersten Wochen von 20/80 in 50/50 im späteren Verlauf der Stillzeit. Da Kasein und Molkenprotein eine unterschiedliche Aminosäuren-Zusammensetzung aufweisen, ist auch der Gehalt an Aminosäuren in der Muttermilch im Laufe der Zeit unterschiedlich. Kuhmilch ist relativ stabil und hat ein Kasein-Molke-Verhältnis von 80/20.
  • In der Muttermilch sind vorwiegend die Molkenproteine Alpha-Laktalbumin und Laktoferrin enthalten. In der Kuhmilch hingegen ist Beta-Laktoglobulin das wichtigste Molkenprotein.
  • Um diese Unterschiede bei den essentiellen Aminosäuren auszugleichen und den Aminosäuren-Bedarf des Neugeborenen zu decken, liegt der gesamte Eiweissgehalt der meisten Säuglingsnahrungen ein wenig über dem der Muttermilch (1,4 g gegenüber 1,0–1,2 g pro 100 ml).
  • Darüber hinaus unterscheiden sich Kasein und Molkenprotein in der Art und Weise, in der sie verdaut und absorbiert werden.
  • Im Vergleich zu Molkenprotein wird Kasein relativ langsam verdaut. Durch die Magensäure (bei Säuglingen ist der pH-Wert im Magen sehr niedrig) gerinnt das Kasein und bildet Klumpen. Die Verdauung, die Hydrolyse und der Abbau des Kaseins ist eine schwere Aufgabe für die Enzyme. Dadurch verzögert sich die Magenentleerung und das Kasein gelangt nur langsam in den Dünndarm.
  • Molkenprotein ist ein wasserlösliches Protein, das unter dem Einfluss von Säure nicht gerinnt und schneller verdaut wird als Kasein.
  • Sobald jedoch diese Proteine den Dünndarm erreichen, kehrt sich diese Reihenfolge um: Das Molkenprotein wird langsamer verdaut als das Kasein. Dadurch wird das Molkenprotein besser absorbiert.


Kasein-Molkenprotein-Verhältnis in Säuglings- und Kleinkindernahrung.

  • Säuglingsnahrung (Stufe 1, 0–6 Monate): Das Verhältnis von Kasein/Molkenprotein ist mit 40/60 mit dem der Muttermilch vergleichbar.
  • Folgenahrung (Stufe 2, ab 6 Monaten): Das Verhältnis von Kasein/Molkenprotein liegt bei 50/50 und ist auf die weitere Reifung des Verdauungssystems des schnell wachsenden Säuglings abgestimmt.
  • Für ältere Kinder weisen die Produkte ein Verhältnis auf, das dem der Kuhmilch entspricht, nämlich 80/20.

Vorwiegende Quellen in der Nahrung

  • Milcheiweiss findet sich in Milch und Milchprodukten. 

Hauptfunktion

  • Aminosäuren sind wichtig für die Proteinsynthese (Bildung), spielen jedoch auch eine Rolle in zahlreichen anderen Vorgängen im Körper (siehe auch: Eiweiss bzw. Protein).


Studien belegen die Vorteile einer Säuglingsnahrung für Neugeborene mit einem im Vergleich zu Kasein höheren Molkenproteinanteil.

  • Molkenprotein enthält Substanzen (z. B. Immunoglobuline, Alpha-Laktalbumin und Laktoferrin), die immunfördernde Eigenschaften besitzen. Sie stimulieren die Aktivität bestimmter Immunzellen und der Immunreaktion. 
  • Die Darmflora von gestillten Säuglingen unterscheidet sich von der Darmflora von Säuglingen, die mit künstlicher Säuglingsnahrung gefüttert werden. Bei Stillkindern zeigen sich weniger potenziell pathogene Bakterien und mehr nützliche Milchsäurebakterien und Bifidobakterien. Im Vergleich zu einer Kasein-dominanten Säuglingsnahrung fördert eine Säuglingsnahrung mit einem relativ hohen Molkenprotein-Anteil die Entwicklung einer Darmflora, die der von Stillkindern nahe kommt. Dies wirkt sich vorteilhaft auf die Infektionsanfälligkeit und die Immunabwehr aus.
Synonyme: Milchprotein

Zurück zur Liste